Typ: Vorträge Wild

24.10.2015, 17:00-17:45 Uhr

Kurfürstliches Palais

Symposium „Wild“
Rokokosaal, Kurfürstliches Palais
Prof. Dr. Christina Threuter

Hochschule Trier

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Prof. Dr. Christina Threuter: Federköpfe – Wilde Dinge der Mode

In meinem Vortrag werde ich mich mit einer bekannten Serie von Modefotografien Irving Penns aus dem Jahr 1996 beschäftigen. Sie zeigen ein weibliches Model mit einem Federhut des Hauses Chanel und tragen den Titel „Featherhead“. Auch wenn ich die Kreation hier als Hut bezeichne, handelt es sich bei diesem fedrigen Bekleidungsgegenstand weder um einen Hut, noch um einen wirklich tragbaren Kopfschmuck. Im Grunde ist es ein absurdes Ding, da es weder zweckdienlich, noch im allgemeinen Verständnis wirklich schmückend ist, denn der Federhut bedeckt nicht nur den Kopf sondern das ganze Gesicht des weiblichen Models. Durch das dichte Netz der Federn können wir die Physiognomie des Models lediglich erahnen. Das Gesicht der Trägerin scheint mit diesem Objekt völlig vereint. Das Material der Kopfbedeckung, die Federn, lassen den Kopf der Frau – wie es der Titel der Fotoserie bezeichnet – in der Wahrnehmung zu einem Federkopf werden. In der Mode kennen wir seit der Zeit um 1900 Federn vor allem als klassische Accessoires des Varietés und Roland Barthes hat in seinen Mythen des Alltags darauf verwiesen, dass sie Zeichen der exotisch konnotierten Weiblichkeit und umgekehrt des weiblich konnotierten Exotismus sind. Hieran möchte ich zum einen anknüpfen und dieser Konnotation des Federschmucks in der europäischen Mode nachgehen. Zum anderen möchte ich an die Modelle des Habitus (Bourdieu), des Körperwissens (Polanyi), der Mimesis (Adorno) und der Dinge als soziale Akteure (Latour) anknüpfen und den „Featherhead“ der Fotoserie Irving Penns dahingehend befragen, welches Wissen, welche Erfahrungen über Mode im Bild von Weiblichkeit und Exotismus hier visuell repräsentiert und im Medium der Fotografie erinnerungswürdig werden.

Kurzbiographie seit 2011 Professorin für Kunst-, Design- und Kulturgeschichte an der Hochschule Trier. Christina Threuter ist promovierte und habilitierte Kunstwissenschaftlerin (1993 Promotion über den Architekten Hans Scharoun an der Johannes Gutenberg Universität Mainz/ 2006 Habilitation über die Wohnhäuser von Künstlerinnen an der Universität Trier). Von 1995 bis 2011 forschte und lehrte sie an zahlreichen Hochschulen (Universität Trier, TU München, Justus Liebig Universität Gießen, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Universität des Saarlandes, Universität zu Köln). Daneben war sie Kuratorin und wissenschaftliche Mitarbeiterin kunst- und kulturgeschichtlicher Ausstellungen. Von 1994 bis 2006 war sie Mitherausgeberin der Fachzeitschrift FKW// Zeitschrift für Geschlechterforschung und Visuelle Kultur (Jonas Verlag, Marburg). Sie ist Autorin zahlreicher Publikationen zu ihren Forschungsschwerpunkten in den Bereichen der Visuellen und Materiellen Kultur des 20. Jahrhunderts (Körper und Geschlecht, Mode und Modetheorie, Architektur und Raum, Erinnerungs- und Dingkultur).