Typ: Vorträge Wild

23.10.2015, 17:00-17:45 Uhr

Kurfürstliches Palais

Symposium „Wild“
Rokokosaal, Kurfürstliches Palais
Prof. Dr. Elke Gaugele
Akademie der Bildenden Künste Wien
23.10.2015, 17:00-17:45 Uhr

ElkeGaugele

Prof. Dr. Elke Gaugele: Re-Birth of the Cool – Rick Owens’ Mode-Performance “Vicious”

Mit seiner Inkorporierung weiblicher Antiposen aus dem „Black Cool“ erregte Glunge-Guru Rick Owens‘ Kollektion „Vicious“ im Frühjahr/Sommer 2014 großes Aufsehen. Vier Stepping-Gruppen afro-amerikanischer Studentinnen stampften diese – keineswegs mit Modelmaßen – enragiert auf die Bühne. Mit ihrem Percussion-Sound, den sie unmittelbar mit ihrem Körper durch Stampfen, Klatschen und einzelne Laute produzierten, wurden sie in allen Medien als neuer Modeltyp gefeiert. Die Mode-Performance mit ihrer aggressiv-expressiven Mimik kann in der historischen Genealogie von Coolness gelesen werden, die in der Geschichte des afroamerikanischen „Black Cool“ zu einer ganz eigenen Haltung wurde, rassistischen Diskriminierungen zu begegnen. Doch ergibt sich bei näherer Analyse ein ambivalentes Bild. Viele farbige Frauen sahen sich durch Owens‘ Show zu Recht als Freaks, als Stereotype wütender schwarzer Frauen und als enragierte Outsider repräsentiert. Primitivistischen Klischees weiter folgend, inszeniert Owens‘ an den Füßen des street-stylishen Rebellionsspektakels seine erste Branding-Kooperation mit adidas: Sneakers mit Sohlen, in zwei kantige Hufen unterteilt. Da Owens‘ minimalistischer Stil und seine Goth-Inszenierung auf dem Catwalk mittlerweile auch von jüngeren Kollegen wie Gareth Pugh oder teilweise sogar Alexander Wang kopiert wurden, hatte die Post-Hip-Hop-Performance der Stepperinnen für ihn die Funktion, einen Modewandel in Sachen Coolness zu vollziehen, um seine Position als Anti-Fashion-Star im Gefüge der etablierten Designer neu zu behaupten.

Elke Gaugele ist Empirische Kulturwissenschaftlerin (Dr. phil.) und Professorin an der Akademie der Bildenden Künste in Wien. Am Institut für das künstlerischen Lehramt leitet sie den Fachbereich „Moden und Styles“: ein künstlerisch-wissenschaftliches Studium, das gestalterische Praxis mit dem Studium kritischer Theorien und der Vermittlung von Moden und Styles verbindet. Sie forscht und publiziert zu den Epistemologien von Mode und Stil, zu postkolonialen und queer-feministischen Perspektiven für die Fashion Studies, zu Biopolitiken und ästhetischen Politiken der Mode sowie zu Open Cultures/D.I.Y. Aktuelle Publikationen: Critical Studies. Kultur- und Sozialtheorie im Kunstfeld. Wiesbaden: VS 2015 (Hg. gemeinsam mit Jens Kastner); Aesthetic Politics in Fashion. New York/ Berlin: Sternberg 2014 (Hg.); Craftista! Handarbeit als Aktivismus, Mainz: Ventil 2011(Hg. mit Sonja Eismann, Verena Kuni, Elke Zobl).

Das gesamte Programm des Symposiums finden Sie hier.